Hl. Raimund von Peñaforte
Martyrer/Heilige/Patrone
"O Gott, Du hast den hl. Raymund zu einem trefflichen Verwalter des Bußsakramentes erkoren und ihn wunderbar über die Meereswogen geführt; so gewähre uns die Kraft, auf seine Fürsprache würdige Früchte der Buße zu bringen und zum Hafen des ewigen Heiles zu gelangen. Durch unsern Herrn Jesus Christus ...“
(Kirchengebet zum Festtag des hl. Raymund von Penaforte)

Raymund von Peñaforte wurde um das Jahr 1175 in der Nähe der ostspanischen Stadt Barcelona geboren, auf Schloß Peñaforte bei Villafranca del Penadés. Der junge Raymund studierte in Barcelona Philosophie und in Bologna Rechtswissenschaft. Danach stieg er auf zum Professor für Kirchenrecht.

1220 kehrte Raymund von Peñaforte in seine Heimat zurück und wurde Kanoniker zu Barcelona. Zwei Jahre darauf verfaßte er durch die Gottesmutter selbst ermahnt für den hl. Petrus Nolascus die Konstitutionen des Mercedarier-Ordens, der den Loskauf von Gefangenen aus mohammedanischer Gefangenschaft erstrebte. Dieser Orden, der in Deutschland auch „Orden der Gnade“ genannt wurde, bestand aus zölibatären Mönchsrittern und Mönchspriestern, die besondere Mitglieder, sogenannte "Redemptores" - „Erlöser“ unter die Muselmanen sandten, um christliche Sklaven freizukaufen.

1222 wurde der hl. Raymund selbst Mönch und in den Dominikanerorden aufge-nommen.

Nach dem Noviziat, von 1223 bis 1229, lehrte er an Schulen seines Ordens. Im Jahr darauf wurde der hl. Raymund von Papst Gregor IX. (1227-1241) nach Rom gerufen, wo er dessen Beichtvater wurde. Dort stellte er auch den Liber extra zusammen, eine Dekretalien-Sammlung der Päpste, die wichtig waren in der kirchlichen Rechtsprechung. Noch größere Verbreitung als diese erfuhr die von Raymund von Peñaforte um 1238 verfaßte Summe für Beichtväter, die Summa de paenitentia et matrimonio.

Von 1238 bis 1240 amtierte der hl. Raymund als Ordensmeister der Dominikaner, also als 2. Nachfolger des hl. Dominikus. Während seiner Amtszeit kodifizierte er die strengen Konstitutionen, die bis zur nachkonziliaren Revolution im Predigerorden substantiell in Kraft blieben. Alle authentischen Reformen dieses wunderbaren Ordens in seiner Geschichte haben immer wieder die buchstäbliche Einhaltung dieser Konstitutionen herbeigeführt und der Orden war am stärksten und wirksamsten in der minutiösen Erfüllung dieses heiligen Erbes. Auch jetzt, wo der Predigerorden zweifelRaymund segelt auf seinem ausgebreiteten Ordensmantel von der Mallorca hinüber ans Festland nach Barcelonalos die stärkste innere Erschütterung seiner glorreichen Geschichte erlebt, wird ohne die Rückkehr zum Geist und zur Gesetzgebung des hl. Raymund keine Besserung eintreten.

Nach zweijähriger Amtszeit kehrte Raymund 1242 nach Barcelona zurück und wurde Berater König Jakobs. I. von Aragon (1213-1276), den man den Eroberer nannte. Dieser brachte Mallorca (1229-1230), Menorca (1232), Ibiza (1235) und Valencia (1232-1238) an Aragon. Da er aber einer Konkubine allzusehr ergeben war, wollte Raymund ihn während eines Aufenthaltes auf Mallorca verlassen. Der König verbot es. Da segelte Raymund auf seinem ausgebreiteten Ordensmantel (Cappa) von der Insel hinüber ans Festland nach Barcelona (Bild). Der König folgte dem Heiligen zu Schiff und fügte sich von da an dessen Rat.

Zusammen mit dem seligen Franziskaner-Terziaren Raymundus Lullus trat Raymund für die Mission unter Juden und Mohammedanern ein. Es wurde durch Raymund ein Arabisch- und Hebräisch-Unterricht in mehreren Klöstern des Dominikanerordens eingeführt. Bereits 1256 berichtete St. Raymund von Peñaforte von zehntausend getauften Sarazenen.

Der sel. Raymundus Lullus, der 1232 oder 1233 zu Palma de Mallorca geboren wurde, führte dieses Werk weiter, nachdem Raymund von Peñaforte verstorben war. Der sel. Raymund, der auch ein bedeutender Philosoph war, unternahm zahlreiche Missionsreisen nach Süditalien und Mallorca, er lehrte in Montpellier und Paris. Seine letzte Missionsreise führte ihn ins nordafrikanische Tunis, wo er von Mohammedanern gesteinigt wurde. Er starb an Bord eines Schiffes während der Rückfahrt; dies geschah 1315 oder 1316.

Ein Missions-Erlaß des aragonischen Königs von 1242 dürfte auf St. Raymunds Anregung zurückgehen: in diesem werden Juden und Mohammedaner zur regelmäßigen Teilnahme an Predigten verpflichtet, die sie zum katholischen Glauben führten sollten. Auch bewegte er den König die hl. Inquisition in seinem Königreich wirken zu lassen.

Der hl. Raymund von Peñaforte regte den hl. Thomas von Aquin zur Abfassung der Summa contra gentiles an, die die nicht-christliche Philosophie der Mohammedaner und der Heiden mit den Argumenten der Vernunft widerlegt.

Die Vermehrung der Verehrung der Gottesmutter war ihm ein großes Anliegen. St. Raymund stand bei seinen Zeitgenossen in höchsten Ansehen. Seine Gelehrsamkeit und Weisheit wurden in der ganzen Christenheit gerühmt.

Etwa einhundert Jahre alt war der hl. Raymund, als er am 6. Januar 1275 zu Barcelona, durch Bußwerke, Arbeiten und Gebrechen geschwächt, starb. Viele Wunder ereigneten sich an seinem Grab. Ein wunderbarer Staub, der aus dem Grab rieselte, vermittelte vielen Kranken die Wiedererlangung ihrer Gesundheit. Von Papst Clemens VIII. wurde er am 29. April 1601 heiliggesprochen. Er ist der Patron der Kanonisten, d.h. der Kirchenrechtsgelehrten. Überhaupt rufen ihn die Rechts- und Staatsanwälte als ihren glorreichen himmlischen Fürsprecher an.

In der gothischen Kathedrale von Barcelona in Spanien wurde St. Raymund Peñaforte bestattet.