Predigt am Ordensfest Hl. Petrus Nolascus Januar 2014
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Predigt von Ordenskaplan P. Miguel Stegmaier fssp am Ordensfest des hl. Petrus Nolascus, Januar 2014, Köln (es gilt das gesprochene Wort):

„Beati misericordes“ (Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen)

Liebe Confratres, Geliebte im Herrn,

heute am Feiertag des hl. Petrus Nolascus, Gründer des Mercedarier-Ordens zum Loskauf der Gefangenen, will ich über die Barmherzigkeit predigen.

Der junge Petrus Nolascus stellte sich mehrere Male die folgende existenzielle Frage: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Und was ist es doch um diese Frage! Sie ist die wichtigste im Menschenleben und erfordert gebieterisch eine Antwort. Und es war das tiefe Bedürfnis des Menschenherzens, dem der Heiland entgegenkam, als er in seiner Bergpredigt die acht Wegzeiger aufstellte zum ewigen Leben.

In Evangelien finden wir die Begegnung Jesus mit einem Gesetzeslehrer, der ihn fragte: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ In herrlicher Gleichnisrede führt der Herr ihn hinaus an den Weg, der von Jerusalem nach Jericho hinabführt. Dort liegt ein armer Wanderer, der unter die Räuber gefallen und schwer verletzt ist. Ein Priester kommt, sieht ihn und geht vorüber. Ein Samaritaner aber, der des Weges kommt, tritt voll Mitleid (geistige Werke der Barmherzigkeit!) hinzu, verbindet seine Verletzungen (leibliche Werke der Barmherzigkeit!), führt ihn in die Herberge und sorgt für ihn. – „Gehe hin und tu desgleichen!“ so schließt der Heiland das Gleichnis, „dann wirst du das ewige Leben erlangen.“ (Luk. 10, 25 ff.)

Der Funken dieses Wortes des Herrn, der dort vor 2000 Jahren auf die Erde gefallen, hat Unzählige ergriffen und entflammt. Tausende schon haben den Geist des barmherzigen Samariters in sich aufgenommen, und die Woche, in der wir gerade stehen, ist besonders ausgezeichnet durch die Namen solcher Heiligen, die als Apostel Christi im Dienst der Nächstenliebe über die Welt gegangen sind und auf dem Wege der Barmherzigkeit durch Loskauf und Befreiung der Gefangenen aus der Sklaverei das ewige Leben erlangt haben. Heldengestalten, wie die Welt sie auch heute noch brauchen kann.

Liebe Christen, unter den leiblichen Werken der Barmherzigkeit nennt der Heiland auch die Sorge für die Gefangenen: „Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht“ (Matt. 25, 36). Für die Übung dieses guten Werkes hat in großzügiger Weise der hl. Petrus Nolascus durch Gründung des Ordens U. L. Frau von der Erlösung der Gefangenen Sorge getragen. Petrus stammte aus einem ritterlichen Geschlecht in Südfrankreich (Languedoc). Er wurde zum tapferen Ritter herangezogen, genoss aber auch gründliche wissenschaftliche und aszetische Bildung. An Hofe des Königs Jakob I. von Aragonien, dessen Erzieher er gewesen war, traf er mit dem hl. Raymund von Peñaforte zusammen. Dieser drei Männer bediente sich die göttliche Vorsehung, um das grenzenlose Elend der Christen, welche in die Gefangenschaft der Sarazenen geraten waren, zu lindern. In einer Erscheinung der seligsten Jungfrau, die dem König Jakob, dem hl. Raymund und dem hl. Petrus zu gleicher Zeit zuteil wurde, erhielten sie den Auftrag, einen Orden zum Loskauf der Gefangenen zu gründen. Der hl. Petrus wurde der erste Obere des neuen Ordens, der bald die päpstliche Bestätigung fand. Außer den gewöhnlichen drei Ordensgelübden übernahmen die Mitglieder noch ein viertes: „Wenn nötig, werde ich, zur Erlösung der gefangenen Christen auch als Geisel in der Gewalt der Sarazenen verbleiben.“ Gleich von seiner ersten Reise in das damals von den Mauren besetzte Südspanien brachte der Heilige 400 erlöste Gefangene heim. Mutig drang er hernach nach Afrika vor. Hier trafen ihn große Leiden. Er wurde in Ketten gelegt und in einem Kahn ohne Segel und Steuer auf hohem Meere ausgesetzt. Die Vorsehung wachte über dem Heiligen. Das Schifflein fand den Weg in die Heimat zurück. Den Rest seines Lebens widmete Petrus, der Last des Generalates enthoben, ganz der Vorbereitung auf einen frommen Tod, den er in der Christnacht 1256 um Mitternacht erlangte. Er betete den Psalm 110 und starb nach den Worten „Redemptionem misit Dominus populo suo“. Deshalb wird er als Patron des guten Todes angerufen.

Der Orden der Mercedarier, wie die Stiftung des hl. Petrus genannt wurde, verbreitete sich weithin, blühte besonders in Mittel- und Südamerika – die erste hl. Messe, die in Chile zelebriert wurde, hat ein Mercedarier gefeiert –, wo er sich den Missionen und der Erziehung widmete und bis heute besteht.

Endlich, hl. Petrus Nolascus, großer Patron unseres himmlischen Ordens, lehre uns „barmherzig werden, wie unser Vater im Himmel barmherzig ist“ (Luk. 6, 36)! Lehre uns, jede Gabe, die wir den Armen und Durstigen spenden, zuerst in Christi Hand niederzulegen. Lehre uns zu verstehen, dass mit jedem Kleidungsstück, das wir dem Frierenden reichen, wir dich selbst bekleiden; dass mit jedem Trunk Wasser, den wir dem Durstigen geben; wir dich tränken; dass in jedem Akt, in dem wir von Sklaverei zu befreien helfen können, wir dich selber aufnehmen!

A M E N - Hl. Petrus Nolascus, bitte für uns!